|
|
Dankrede PD Dr. Volker
Kronenberg 
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrte Frau Kronauer,
sehr geehrter Herr Kronauer,
sehr geehrte Ehrengäste,
meine sehr verehrten Damen und Herren!
Seltsam, wie man sich von Stimmungen, von Verhaltensweisen, von Einstellungen
berührt zeigt, die so gar nicht dem eigenen Ich, der eigenen Gestimmtheit,
den eigenen Einstellungen entsprechen, die so gar nichts mit den eigenen
Lebensumständen gemein haben können.
“
Revolte und Resignation” - nein wirklich nicht.
Und doch ist es der einfühlsame Versuch “Über das Altern,
Revolte und Resignation” der trifft und an dessen Ende Jean Améry
schreibt (Zitat): Hatte er irgend etwas getan, auf dass das Gleichgewicht
gestört, der Kompromiss bloßgestellt, das Genrebild zerstört,
der Trost verscheucht werde? Er hoffte es. Die Tage schrumpfen und trocknen
ab, da hatte er Begehr, die Wahrheit zu sagen.” (Zitat Ende).
Altern? Ja.
Alt, noch nicht.
Begehr die Wahrheit zu sagen?
Die Tage schrumpfen.
Eines jeden. Also, dann!
So ungewöhnlich es sein mag, meine sehr verehrten Damen und Herren,
meinen aufrichtigen und herzlichen Dank für die Ehre, die mir hier
und heute zuteil wird, mit dem Verweis auf einen anderen Preisträger
einzuleiten, so sehr bitte ich doch um Verständnis dafür, dass
ich dies tue und Fritz Stern, den großen amerikanischen Historiker
und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1999 zunächst
zu Wort kommen lasse.
Ich gestehe unumwunden, dass ich Fritz Sterns moralische wie auch fachliche
Autorität und Größe in einem gewissen Sinne als Rück-Versicherung
zu verwenden suche auf meinem gedanklichen Weg in jene “Löwengrube” der
Zeitgeschichte, in die man sich unweigerlich begibt, unternimmt man den
Versuch einer Verständigung mit und über “Ernst Nolte und
das totalitäre Zeitalter”.
Fritz Stern, meine Damen und Herren, der vor den Nationalsozialisten vor über
60 Jahren aus seiner Heimat Deutschland vertriebene Jude, stellt das spannungsgeladene
Begriffspaar “Erinnerung und Historie” in den Mittelpunkt
seines Nachdenkens über ein angemessenes europäisches Geschichtsverhältnis,
welches der vergangenen Wirklichkeit ebenso entsprechen soll wie der Notwendigkeit
einer gesamteuropäischen Zukunft jenseits nationalistischer Egoismen
und verhängnisvoller Sonderwege.
Mittels einer vergleichenden europäischen Geschichtsforschung sollen,
so Stern, immer neue Antwortversuche auf die Frage nach dem “Warum?”,
nach dem “Wie war es möglich?” unternommen werden, die
wieder und wieder das Unvorstellbare, Unverständliche - also den “Holocaust” wie
auch den “Archipel GULag” - so weit wie möglich “verstehbar” zu
machen suchen.
(Zitat Stern:) “Das ‘Warum’ ist nicht nur existentielle
Urfrage, [...] es erzeugt den Anfang des Denkens, den Anstoß zur
Wissenschaft, zum fruchtbaren Argument. Die westliche Welt hat den Kampf
gegen die intolerante Orthodoxie bestanden, hat sich von der Inquisition
befreit, und diese Offenheit und Freiheit, die mit dem uneingeschränkten ‘Warum’ beginnt,
hat ihr den Vorsprung im geistigen und politischen Leben ermöglicht.” (Zitat
Ende)
Wie aber ist es im heutigen Deutschland um diese Offenheit und Freiheit,
um das uneingeschränkte “Warum?”, um das fruchtbare Argument
bestellt?
Anders gefragt: Nutzt das wiedervereinte Deutschland, jene auf Frieden
und Freiheit ausgerichtete Zentralmacht Europas ihre “zweite Chance”,
die nach Stern heute darin besteht, denjenigen Staaten Osteuropas, die
sich jüngst vom Kommunismus befreit haben, ein soweit irgend möglich
wahres Bild der Vergangenheit zu vermitteln, sie daran zu gewöhnen,
dass es kein vorgeschriebenes Bild, sondern viele, auch widersprüchliche
Interpretationen gibt?
Wie steht es um die Begehr, die Wahrheit zu sagen?
Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR, nach dem Ende des “realsozialistischen” Zwangssystems
mit Stacheldraht, Mauer und Todesstreifen, mit Todesschützen, Stasi-Spitzeln
und geschichtspolitischem Wahrheits monopol der SED, mit hohen “Akten-
statt Leichenbergen” - wie Egon Bahr einst meinte -, fällt die
Bilanz in meinen Augen dürftig aus.
Jorge Sempruns oft zitiertes und allzu oft überhörtes “Wer
vom Stalinismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen” hat
jedenfalls wenig Chance zur Deutungshoheit. Eher zur geschichtspolitischen
Fußnote im Regietext omnipräsenter Bewährungshelfer im
Dienste des Guten. Das Herz schlägt links.
Wie sonst könnte der “Antifaschismus”, jene ideologische
Lebenslüge und vermeintliche Existenzberechtigung eines sowjetischen
Bruderstaates östlich des “imperialistischen Feindstaates BRD” ungeachtet
der weltpolitischen Umbrüche und dem “Ende der Illusion” (Francois
Furet) kommunistischer Heilsversprechen im kulturellen Bewusstsein der
Deutschen, zehn Jahre nach Vollendung der deutschen Einheit, fröhliche
Urständ feiern?
Dass nebenbei auch die “Faschismuskeule” als kampferprobtes
Sanktionsmittel einer intellektuellen Linken, “die bis in die siebziger
Jahre hinein die Kultur Deutschlands, so sagt man, ‘gemacht’ hat”,
wie Jürgen Habermas schreibt, dass jene Keule auch heute noch immer
schwingt und weiterhin jeden Andersdenkenden zu treffen aus ist - und dieser
Andersdenkende ist hier der Äquidistanz nach rechts- wie linksaußen
wahrende streitbare Demokrat -, haben verschiedenste Vorgänge der
letzten Zeit hinreichend bewiesen.
Als Beispiele seien nur die Kampagne um Horst Möller und seine Laudatio
auf Nolte anlässlich der diesjährigen Deutschlandpreis-Verleihung
sowie die Unterstellungen genannt, denen sich der stellvertretende Leiter
des “Hannah-Arendt-Instituts in Dresden”, Uwe Backes, ausgesetzt
sah.
Aufrichtige, selbstbewusste Demokraten in den Fängen einer sich liberal
gerierenden und doch illiberal agierenden Zeitgeistwohligkeit - wohin des
Wegs?
Deutsche Sorgen, “die Dritte”, so möchte man Martin Walser
abwandeln.
“
Als ob sich irgend etwas an der Beurteilung oder Verurteilung national-sozialistischer
Verbrechen änderte, wenn man auch diejenigen des Kommunismus
erforscht” - die, vom Direktor des Münchner Instituts
für Zeitgeschichte in vielen Varianten geduldig immer wiederholte
historiographische Grundeinsicht mag im europäischen Ausland heute
selbstverständlich sein, in Deutschland ist sie es keineswegs.
Mit fatalen Konsequenzen für den intellektuellen Diskurs der Gegenwart
und damit zugleich für die zeithistorische Erforschung des ideologischen
Bürgerkrieges zwischen liberaler Demokratie, Kommunismus und Faschismus
bzw. Nationalsozialismus.
Wer dies bestreitet, wer eine solche besorgte Kultur-Kritik als “rechten” Kulturkampf
abzutun geneigt ist, sei an eine weitgehend überhörte Passage
in der Friedenspreisrede Fritz Sterns erinnert.
(Zitat Stern): “Ich würde mir für dieses Land eine gerechtere,
liberale Streitkultur wünschen: offene Debatten um die heikelsten
Probleme von Gegenwart und Vergangenheit, Diskussionen ohne Ad-hominem-Verdächtigungen,
ohne verletzende, vage Andeutungen, wie es zum Beispiel im so genannten
Historikerstreit passiert.” (Zitat Ende)
Sterns ausdrückliche Bezugnahme auf den “Historikerstreit” und
der impliziete Verweis (Stichwort: “Ad-hominem-Verdächtigungen”)
auf die Stigmatisierung Ernst Noltes lässt die Medien wie auch den
Großteil deutscher Historiker ungerührt; ebenso Sterns grundsätzliche
Feststellung, deutsches Streiten als öffentliches Streiten über
Deutschlands Weg im 20. Jahrhundert sei illiberal, geprägt durch verletzende,
verdächtigende Andeutungen und Unterstellungen, durch nebulöses
Raunen und Polemisieren statt durch offenen, wissenschaftlich-redlich
ausgetragenen Streit um die historische Wahrheit.
Man erinnere sich des Historikerstreits, der Goldhagen-Kontroverse, der “Schwarzbuch”-Debatte,
der Diskussion um die Wehrmachtsausstellung; vielleicht auch des Sloterdijk-Habermas-Disputes,
- könnte es sein, dass man den Verlauf der unvermeidlichen “Finkelstein”-Debatte
bereits jetzt antizipieren kann? Novik, ja. Finkelstein, nein. Schoenfeld,
wer? Schon gelesen? Wozu?
Allzu bekannte Genrebilder.
“
Ich studierte eine Weile die Technik der Ausgrenzung. Ich studierte die
allmähliche Verwandlung des erhitzten Antifaschisten in seinen negativen
Lehrmeister. Es funktioniert genau, wie es vorherzusehen war, wie langweilig!
Moral, das ist hierzulande kaum mehr als ein Reiz-Reaktions-Ablauf, eine
Pawlowsche Angelegenheit. Nichts mehr von Anfechtung und Prüfung,
von Wagnis und Skepsis. Zwischen rechts und links verkehren nur noch Retourkutschen.”
Botho Strauß, meine Damen und Herren, “Die Fehler der Kopisten”.
Doch halt! Darf ich als junger Mensch, als überzeugter Anhänger
der streitbaren, antitotalitären Demokratie namens Bundesrepublik
Deutschland, als Opponent aller politischen Extreme, darf ich mir als liberaler
wert- und selbstbewusster Bürger dieses Landes und zugleich als kleines
Licht unter all den leuchtenden Autoritäten der Wissenschaft mit Botho
Strauß eine solche Kritik am Status Quo anmaßen?
Darf ich - jenes Reiz-Reaktions-Ablaufs in jungen, allzu unerfahrenen Jahren überdrüssig
-, Botho Strauß ob seiner Wahrhaftigkeit bewundernd zitieren und
zugleich Martin Walsers Wort von den “öffentlichen Meinungsschienen”,
auf denen “die leeren Waggons rumpelnd große Geräusche
machen”, einfließen lassen, ohne gleich artig hinzufügen
zu müssen, mir sei Walsers Traktat über “Unser Auschwitz” von
1965 ebenso bekannt - ja, ich schätzte es im Grunde genommen und bei
Bedarf noch mehr?
“
Freie Rede? Noch nicht”, meint Walser und verweist auf das Charakteristikum
dieses Jahrzehnts: “Tabuzüchtung im Dienst der Aufklärung.
Machtausübung, die sich als Aufklärung versteht.”
Also, einmal Löwengrube, immer Löwengrube? Eine neue Geschichte
von Daniel ...? Nein!
Ich möchte es an dieser Stelle ganz deutlich und unmissverständlich
sagen:
Mir geht es bei meinem Nachdenken über deutsche und europäische
Geschichte im 20. Jahrhundert, bei meiner Analyse des Totalitarismus
weder um Apologie eines vermeintlich “revisionistischen Geschichtsdenkers”,
noch geht es mir um eine Entsorgung des dunkelsten Teils der deutschen
Geschichte und des in deutschem Namen begangenen einzigartigen Verbrechens
mit der Chiffre “Auschwitz”. Nicht im entferntesten.
“
Auschwitz” ist für mich singulär.
Eine Aufrechnung oder gar Entschuldigung der nationalsozialistischen Judenvernichtung
mittels anderer Jahrhundert-Verbrechen, wie denen im Namen Lenins, Stalins
oder Maos, liegt mir völlig fern.
Wenn dem so ist, wieso dann aber Nolte? Wieso dann gerade ein Verständigungsversuch
mit und über Ernst Nolte, jener, wie Reich-Ranicki
meint, “trüben, ja verächtlichen Figur der deutschen Zeitgeschichte”?
Weil Ernst Nolte - wie kaum ein zweiter Wissenschaftler dieser Republik
- seit Jahrzehnten konsequent und in immer neuen Anläufen “Auschwitz” in
den Mittelpunkt seines ausgreifenden Geschichtsdenkens stellt, und weil
Ernst Nolte in frappierender Nähe zu namhaften Vertretern einer “kritischen” bzw.
emanzipatorischen Wissenschaftstradition - ich nenne hier exemplarisch
nur Theodor W. Adorno und Max Horkheimer mit ihrer “Dialektik der
Aufklärung” oder auch Zygmunt Bauman mit seiner “Dialektik
der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust”; weil Nolte dasjenige
als Herausforderung annimmt, was Enzo Traverso als “Auschwitz denken” umschreibt,
eben den Versuch einer großen Synthese abendländischen Nachdenkens über
das “Warum?” des Rassenmordes der Nationalsozialisten; über
das, was Alexander Schuller als “Mythos Mord” im Totalitarismus
bezeichnet.
Und weil Ernst Nolte die Singularität der nationalsozialistischen
Judenvernichtung - im übrigen als einer der ersten deutschen Wissenschaftler
bereits in den sechziger Jahren - systematisch und mit gedanklicher Tiefenschärfe
entwickelst und begründet hat, die ihresgleichen immer noch sucht.
Wer heute behauptet, Ernst Nolte reduziere die “Singularität” zunehmend
auf jenes “Deckmäntelchen” der technizistischen Dimension
bzw. Perfektion der Vernichtung, hat Nolte entweder nicht gelesen, oder
ihn nicht verstanden. Oder wollte ihn nicht verstehen.
So einfach? Mit Verlaub, ja.
Die Singularität der nationalsozialistischen Judenvernichtung stellt
die “Achillesferse” des Nolteschen Werkes dar; bereits im “Faschismus
in seiner Epoche” und auch heute noch, in der “Historischen
Existenz”.
“
Wenn die Auslegung, die hier gegeben wurde, richtig ist”, so schreibt
Nolte über die nationalsozialistische Judenvernichtung, “dann
verschwindet der Eindruck, Hitler sei ein nicht recht begreiflicher Zufall
in der deutschen und europäischen Geschichte gewesen. Es wird deutlich,
dass er von ‘etwas’ besessen war und dass dieses ‘etwas’ alles
andere als ein Beiläufiges und Bedeutungsloses darstellte. Er erschient
nicht mehr nur als epochale Gestalt, sondern als der Abschluss eines Weltalters.
Diese Kennzeichnung bedeutet aber nichts weniger als eine Heroisierung.
Vielmehr gibt sie den Millionen seiner Opfer die höchste aller Ehren:
sie stellt heraus, dass sie, die als Bazillen vertilgt wurden, nicht als
unglückliche Objekte eines widerwärtigen Verbrechens starben,
sondern als Stellvertreter bei dem verzweifeltsten Angriff, der je gegen
das menschliche Wesen und die Transzendenz in ihm geführt wurde.” (Zitat
Ende)
Diese Stelle im “Faschismus in seiner Epoche” stellt für
mich den Nukleus, den immer neuen Anlaufpunkt des Nolteschen Geschichtsdenkens
dar.
Es wäre lohnenswert, die “Historische Existenz” aufmerksam
zu studieren und parallel dazu einmal Walter Benjamins Nachdenken über
den Begriff der Geschichte oder dessen Briefwechsel mit Gershom Scholem,
dem großen jüdischen Religionshistoriker, zur Hand zu nehmen.
Es wäre nicht minder lohnenswert, sich Adornos Charakterisierung von “Auschwitz” ins
Gedächtnis zurückzurufen, das Adorno als bürokratisch organisiertes
Massaker - “ohne Hass” - beschreibt, als Zivilisationsbruch,
dem Millionen von Juden zum Opfer fielen und der die Welt in einem anderen
Licht erscheinen ließ.
Man erinnere sich Adornos “Befreit wäre das Subjekt erst als
mit dem Nichtich versöhntes” und bedenke Noltes Reflexion menschlicher
Transzendenz als “Thronsessel und Marterholz”.
Man nehme Günther Anders, Hannah Arendt, Eric Voegelin oder Zygmunt
Bauman und studiere Nolte.
Noltes historisch-philosophisches Koordinatensystem, und so auch dessen
begriffliche Fixpunkte wie “Geschichte”, “Kultur”, “Ideologie”, “Faschismus” und
auch “Judentum”, verlören in dieser vergleichenden Perspektive
das Odium des Verstörend-Fremden.
Noltes Geschichtsdenken erwiese sich von hier aus als exzeptionelle Neu-
wie auch Fort-Entwicklung einer alten Denktradition samt ihrer jeweiligen
Antwortversuche auf die fundamentalen Fragen der kulturellen Existenz.
In Gegenwart wie Vergangenheit.
“
Woher komme ich? Wo stehe ich? Wohin gehe ich?” - die klassische
Trias im Dienste einer Ortsbestimmung der Gegenwart.
Furets Wort von der “Odyssee der bürgerlichen Gesellschaft”,
vom “Hass des Bürgers auf sich selbst”, Joachim Fests
Erinnerung an die “offene Flanke der offenen Gesellschaft”,
Noltes Faschismus-Deutung als Widerstand gegen praktische wie auch theoretische
Transzendenz - ein Patchwork aus Phrasen oder Mosaiksteine eines größeren Ganzen?
Seien wir ehrlich; zumindest nicht länger polemisch.
Nicht nur auf abstrakter Ebene, auch auf empirisch-analytischer, ich nenne
nur Bogdan Musial und seine Untersuchung der Brutalisierung des deutsch-sowjetischen
Krieges im Sommer 1941, wären denkerische Fortschritte
auf der Grundlage des Nolteschen Werkes zu gewinnen.
Gesetzt den Fall natürlich, die Bereitschaft zur Einsicht wie zur
Re-Vision ist vorhanden. Rück-Betrachtungen, Rück-Fragen an allzu
Bekanntes und doch wenig Verstandes, wenig Begriffenes, darum geht es.
Ian Kershaw bringt genau dies im Vorwort zum zweiten Band seiner neuen
Hitler-Biographie auf den Punkt, indem er bekennt, (Zitat) “dass
ich persönlich Hitler als eine verabscheuungswürdige Gestalt
empfinde und all das verachte, wofür sein Regime steht. Aber dieses
negative Urteil hilft mir kaum zu begreifen, warum Millionen deutscher
Bürger so vieles attraktiv fanden, was Hitler verkörperte, und
bereit waren, bis zum bitteren Ende in einem schrecklichen Krieg gegen
das starke Bündnis der mächtigsten Nationen der Welt zu kämpfen” (Zitat
Ende).
Meine Damen und Herren! Dass einzelne Wendungen in Noltes Büchern,
Aufsätzen und Zeitungsartikeln provokativ sind, weiß ich. Ich
kenne sie. Dass einzelne Interview-Aussagen Ernst Noltes missverständlich,
metaphorisch verkürzt oder auch überpointiert sind, wie zahlreiche
Kritiker immer wieder zurecht anführen, weiß ich auch.
Einige Konjunktivismen des Geschichtsdenkers Nolte halte ich - wie Sie
meinem Buch entnehmen können - für ebenso abwegig wie das Räsonieren über
ein “historisches Recht” Hitlers.
Vor Beifall von der falschen Seite, und das ist ganz unbestreitbar die
rechtsradikale und rechtsextremistische Seite, ist niemand gefeit, auch
nicht Ernst Nolte. Vor einer propagandistischen Instrumentalisierung einzelner
Sätze oder Begrifflichkeiten auf entsprechenden Homepages im Internet
wohl auch nicht. Und doch beobachte ich die Inanspruchnahme des Nolteschen
Werkes aus dieser Richtung mit großer Sorge.
Es ist dies keine Sorge vor einer effektiven Instrumentalisierung dieses
Werkes zu politischen Zwecken - dazu eignet es sich nicht. Deutlicher gesprochen:
Wer Nolte aufmerksam liest und seiner komplexen Gedankenführung folgt,
käme nicht auf die Idee, ihn in die Ecke des politischen Revisionismus
zu ziehen.
Es ist vielmehr die Sorge, mit der mir Studenten entgegentreten und mir
berichten, wie sehr sie bei ihrer Beschäftigung mit Ernst Nolte unter
Rechtfertigungsdruck geraten. In der eigenen Familie, im Freundes- und
Bekanntenkreis, in der Öffentlichkeit. Ich suche diese Sorge zu zerstreuen.
Stichwort: “Ethos des Wissenschaftlers” - und werde dann meist
verdutzt angeschaut. Die Skepsis ist groß.
Ich versuche zu erklären, Missverständnisse auszuräumen
und merke doch, es könnte auch, bei aller Brisanz des Themas, weniger
emotionsgeladen sein.
Einfacher, trotz aller Komplexität.
Martialische Propaganda in Schrift und Bild als postmoderne Windmühlen
des akademischen Don Quichote?
Im Grunde genommen ist dafür keine Zeit. Und jeder weiß es.
So wird die Quittung für Spiegelfechtereien auf Kosten einer historiographisch-notwendigen
Selbstvergewisserung unsere liberalen Gesellschaft im Unbekannten eines
neuen Jahrhunderts Sonderkonditionen auf alte Rechnungen
jedenfalls nicht enthalten. Darauf zu hoffen, wäre, mit Verlaub, reichlich
naiv. Wer sollte diese schließlich auch gewähren? Die nachwachsende
Generation sicherlich nicht. Dies widerspräche jeder Erfahrung.
So beobachte ich mit Sorge die Selbstgerechtigkeit oder manchmal vielleicht
auch Selbstüberschätzung derjenigen, die meinen, Ernst Nolte,
einen im Ausland hoch geehrten und renommierten Wissenschaftler bzw. dessen
Evre mit einigen Halbsätzen oder vielfach sinnentstellten Zitaten
abtun zu können. Ihn verächtlich machen zu können. Oder
ihn gar als Verfassungsfeind stigmatisieren zu können.
Ein solches Verhalten anstelle einer seriösen und fundierten Kritik,
die wichtig und wissenschaftlich-üblich ist, befremdet mich sehr.
In manchen Fällen flößt mir die Rigorosität, mit der
man “auf Teufel komm raus” gegen Nolte ist, gar gegen ihn vorgeht,
Angst ein; diese demonstrative Ignoranz gepaart mit wohliger Arroganz -
sie zwingt mir Botho Strauß` ätzende Kritik in den Sinn (Zitat):
“
Das Nazitum als Palimpsest der deutschen Kunst auch avant la lettre - Novalis
zu den Ursachen! -, das ist keine Anamnese, sondern nur ein umfunktionierter
Ariernachweis. [...] Bis heute beruft sich jede auch noch so infame Machenschaft
der Kunst oder des öffentlichen Lebens auf ihre Opposition zu Hitler,
dem lebendigsten Toten aller Zeiten. In diesem Sinn ist unsere gesamte
aufgeklärte Gesittung in Wahrheit eine okkulte Obsession.” (Zitat
Ende)
Obsessionen sind gefährlich.
Gefühlskälte auch, ich weiß.
Fanatismus aber auch.
Hurbinek, meine sehr geehrten Damen und Herren, der kleine jüdische
Junge aus Auschwitz, den Primo Levi uns in seiner Schilderung “Die
Atempause” vorstellt, lässt mich nicht los.
“
Hurbinek”, so zitiere ich Levi, “war ein Nichts, ein Kind des
Todes, ein Kind von Auschwitz. Ungefähr drei Jahre alt, niemand wußte
etwas von ihm, es konnte nicht sprechen und hatte keinen Namen [...] Er
war von den Hüften abwärts gelähmt, und seine Beine, dünn
wie Stöckchen, waren verkümmert; aber seine Augen, eingesunken
in dem ausgezehrten dreieckigen Gesicht, funkelten erschreckend lebendig,
fordernd und voller Lebensanspruch, erfüllt von dem Willen, sich zu
befreien, das Gefängnis der Stummheit aufzubrechen. [...] Hurbinek,
drei Jahre alt und vielleicht in Auschwitz geboren, Hurbinek, der nie einen
Baum gesehen hatte und der bis zum letzten Atemzug gekämpft hatte,
um Zutritt in die Welt der Menschen, aus der ihn eine bestialische Macht
verbannt hatte, zu erhalten; Hurbinek, der Namenlose, dessen winziges Ärmchen
doch mit der Tätowierung von Auschwitz gezeichnet war - Hurbinek starb
in den letzten Tagen des März 1945, frei, aber unerlöst.”
Auch das Schicksal des zweiundzwanzigjährigen Spartaco lässt
nicht los, der als Mitglied einer französischen Widerstandsgruppe
1944 seiner Mutter schreibt (Zitat): “Liebe Mama! [...] Ich weiß nicht,
was ich Dir schreiben soll, denn obwohl ich einen klaren Kopf habe, kann
ich nicht die richtigen Worte finden. Ich hatte meinen Platz in der Befreiungsarmee,
und ich sterbe, während das Licht des Sieges bereits zu scheinen beginnt
[...] Ich soll gleich mit dreiundzwanzig anderen Kameraden erschossen werden.
Nach dem Krieg musst Du Dein Recht auf eine Rente einfordern. Sie werden
Dir meine Sachen aus dem Gefängnis geben, ich behalte nur Papas Unterhemd,
weil ich nicht möchte, dass ich vor Kälte zittere [...] Habe
Mut!” (Zitat Ende).
Wie könnte ich als überzeugter Christ, nicht von solchen Schicksalen
bewegt und auch angetrieben sein, wie könnte ich nicht von einem solchen
Schrecken, versinnbildlicht in der Mordmaschinerie von Auschwitz abgeschreckt
und verstört sein? Auch und vor allem als Mitglied einer nachgeborenen
Generation.
Aber gerade deshalb möchte ich wissen: Warum? Warum musste der kleine
Hurbinek sterben? Warum im deutschen Namen? Warum im 20. Jahrhundert? Warum
diese unvorstellbare Grausamkeit? Warum der Tod als ein “Meister
aus Deutschland” (Celan)? Warum die technisierte Massentötung
unschuldiger Menschen? Warum all das und noch viel mehr?
“
Nur zu, gute Leute, plagt euch ab, wie ihr wollt, ihr redet ja doch nur
wie der Blinde von der Farbe”, ruft mir Jean Amèry an anderer
Stelle, in seinen “Bewältigungsversuchen eines Überwältigten” entgegen.
Und doch.
Weil Aleida Asmann vermutlich Recht hat, wenn sie mit Blick auf ‘33
bis ‘45 meint (Zitat:) “Wir haben nicht die Wahl, diese Erinnerung
auszuschlagen, und müssen uns doch frei für sie entscheiden” (Zitat
Ende), will ich wissen “Warum?”
Je mehr ich mich mit dieser Frage beschäftige, desto größer
werden die Abgründe, die sich vor meinem geistigen Auge auftun und
in die hineinzuschauen es keine Alternative - es sei denn, um den Preis
des Wegschauens, des Vergessens oder des Nichtwahrhabenwollens - gibt.
Da es in Wahrheit also keine Alternative gibt, erscheint mir die Maxime,
die der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für
Zeitgeschichte jüngst formulierte, ganz selbstverständlich.
Hans-Peter Schwarz schreibt (Zitat): “Historiker sind ihr Geld nicht
wert, wenn sie nicht die Zivilcourage aufbringen, konventionelle Geschichtsbilder,
Geschichtslegenden, auch politische Mythologeme, die in der Öffentlichkeit
in Geltung sind, kalt und entschieden zu entlarven. Historiker und Institute,
die sich nicht in diesem Sinn als aufklärerisch verstehen, haben ihre
Bestimmung verfehlt.” (Zitat Ende)
Natürlich weiß ich, dass Geschichtsvorstellungen nachhaltig
von politischen Funktionszuweisungen besetzt sein können, wie es Edgar
Wolfrum in seiner Abhandlung über “Geschichtspolitik” vorsichtig
ausdrückt; von politischen Funktionszuweisungen, die weit entfernt
von den Funktionen liegen, die eine analytische, der wissenschaftlichen
Objektivität verpflichtete Geschichtswissenschaft auszeichnen”.
Ich weiß von dem doppelten Bezugsverhältnis zwischen Geschichte
und Politik.
Gerade deshalb sehe ich mit Wolfgang Mommsen die Aufgabe des heutigen Historikers
darin, regressiven Momenten durch kritische Rationalisierung entgegenzuwirken
und einer “ressentimenthaften Bewältigung der Vergangenheit
vernünftige Einsicht gegenüberzustellen”.
Karl Poppers “kritischer Rationalismus” also auch methodologischer
Stachel im interessenpolitischen Tabu des Erkenntnisbereichs “Faschismus,
National- sozialismus, Totalitarismus”!?
Kritik statt Misstrauen - und wir wären schon ein Stück weiter!
Doch wollen wir weiter? Vor allem: Wohin?
Heinrich-August Winkler spricht heute von einer “Jahrhundertfrage” Noltes,
Francois Furet bescheinigt Nolte ein Werk, das zu den “tiefschürfendsten
der vergangenen fünfzig Jahre zählt” und hält dessen
totalitarismustheoretische Dimension für ergiebiger als die von Hannah
Arendt; Jean-Francois Revel meint mit Blick auf Noltes “Europäischen
Bürgerkrieg”, der Vergleich der Totalitarismen von links und
rechts sei “die wesentliche Frage des Jahrhunderts”.
Und? Nichts und.
Sie sind jung, vielleicht ein wenig zu blauäugig. Versuch einer Verständigung?
Nein. Später. Vielleicht. Es gibt doch auch andere Themen. Das Lächeln
wird maskenhaft. Nicht das des Gegenüber. Der meint es ehrlich. Die
meinen es ehrlich. Vielleicht auch gut. Der Druck wird größer.
Welcher Druck?
“
Capisco et obmutesco”, meinte Carl Schmitt einst.
Trotzdem:
Wann endlich wird der historisch-genetische, bzw. der genetisch- interaktionistische,
wie Eckhard Jesse präzisiert, wann wird dieser Forschungsansatz
produktiv und nicht länger provokativ aufgegriffen?
Wann endlich wird die banale Einsicht sich durchsetzen können, dass
die “Singularität”, die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen
Judenvernichtung nur durch einen umfassenden Vergleich mit anderen Massenmorden
wie dem “Archipel GULag” oder dem “Laogai” verifiziert
werden kann, dass Auschwitz als “ontologisches Massaker”, als “die
Mitternacht des Menschen”, wie George Steiner sagt, erst von hier
aus wirklich begriffen und Margret Boveris metapolitische Frage nach dem
eigentlichen “Verrat im 20. Jahrhundert” erst erst von hier
aus hinreichend beantwortet werden kann?
Wenn Nolte schreibt, der Radikalfaschismus Hitlers lasse sich aus der deutschen
Geschichte allein nicht adäquat verstehen, vielmehr müsse das
gesamteuropäische Szenario, müssten die ökonomischen, politischen
und ideologischen Folgen des Ersten Weltkriegs, müssten Versailles
und besonders der bolschewistische Putsch 1917 berücksichtigt werden,
den Nolte in seinen direkten Folgen wie indirekten Auswirkungen als das
Schlüsselereignis des totalitären Zeitalters deutet, so gilt
dies meist als Apologie.
Wenn Eric Hobsbawm in seiner Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts schreibt, “die
Geschichte des Kurzen 20. Jahrhunderts [könne] ohne die russische
Revolution und ihre direkten wie indirekten Folgen nicht erklärt werden”,
so gilt dies - völlig unspektakulär - als historiographische
Einsicht im Rückblick auf das Katastrophenzeitalter der Weltkriege.
Wenn Norbert Elias in seiner Untersuchung der Machtkämpfe und Habitusentwicklung
im 19. und 20. Jahrhundert die “eigentümlich dialektische Dynamik
des Gewaltmißbrauchs” bei der Zersetzung des staatlichen Gewalt-
monopols in der Weimarer Republik analysiert und von einem “Doppelbinderprozeß” der
politischen Extreme von links und rechts angesichts der Ereignisse in Russland
spricht - also im Grunde genommen einen genetischen Interaktionismus der
politischen Extreme postuliert -, so wird dies keineswegs als Apologie
von rechts missverstanden.
Natürlich, Nolte geht interpretatorisch weiter, aber durchaus im Rahmen
des Paradigma eines solchen “Doppelbinderprozesses” und sucht,
so könnte man sagen, Hobsbawms eben zitierte Einsicht zu fundieren.
Realgeschichtlich wie ideengeschichtlich; empirisch wie philosophisch.
Dass beides gleichüberzeugend gelingt bzw. gelingen kann, ist damit
nicht gesagt. Darum geht es im Grundsatz aber auch gar nicht.
Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss meiner gedanklichen Dankessplitter
und kann nur sagen:
Im Grunde genommen hat Hans Rothfels bereits 1953 alles Notwendige gesagt.
Vor fünf Jahrzehnten formulierte der große Historiker in einem
pro- grammatischen Aufsatz die Aufgabe einer, wie er es nannte, “verantwortungsbewußten
Zeitgeschichtsschreibung” klar, prägnant
und wegweisend.
Es sei eine unabweisbare Verpflichtung der deutschen Wissenschaft, die
nationalsozialistische Phase mit aller Energie anzugehen und zwar, so Rothfels,
in dem Bewusstsein, dass seit 1917/18 ein neues universal- geschichtliches
Zeitalter begonnen habe, in dem horizontale Frontbildungen die vertikalen
Gegensätze zwischen Nationen und Staaten der Vorweltkriegszeit abgelöst
hätten, so dass die Situation ideologischer Bürgerkriege entstanden
sei.
Jenseits von nationaler Selbsterniedrigung und Apologetik solle der Historiker
die “größtmögliche Objektivität im Erfassen
der Tatsachen” anstreben und sich demgemäß an “keinerlei
heißen Eisen, weder internationalen noch nationalen” vorbeidrücken.
Also dann, Sisyphus!
“
Denn selbst das Dritte Reich und der Totalitarismus des 20. Jahrhunderts,
die die scheinbare Absurdität menschlicher Existenz so grausam versinnbildlichen,
brauchen nicht als Schicksal blind hingenommen zu werden”. Davon,
so schreibt Klaus Hildebrand, befreie nicht zuletzt die erkennende und
darstellende “Sisyphusarbeit” des Historikers, dessen Suche
nach Wahrhaftigkeit die Herrschaft des Schreckens bekämpfe, dessen
Bewusstsein von der Vorläufigkeit und Unfreiheit des Menschen die
Voraussetzung seiner Transzendenz und Freiheit bilde und dessen wissenschaftliches
Handeln, auch noch in der Gewissheit des Scheiterns, individuellen und
allgemeinen Sinn stifte - “zumal wir uns heute, anders als in der
Antike, ‘Sisyphus als einen glücklichen Menschen vorstellen’ (A.
Camus) können”.
So habe ich keinen Grund, resigniert sondern mehr als einen, zuversichtlich
zu schließen.
Da ist vor allem der Historikerpreis der Erich und Erna Kronauer-Stiftung,
diese ehrenvolle Auszeichnung, die ich dankend entgegennehme, die Mut macht,
die ein wichtiges Zeichen setzt und sozusagen dazu auffordert, den von
Rothfels aufgezeigten Weg unbeirrt zu beschreiten.
Da ist schließlich aber noch etwas anderes.
Charles Maurras schrieb (Zitat:) “Es gibt in uns, es gibt in jedem
Ding und sogar im geringsten Atom eine außerordentliche Tendenz,
aus sich herauszugehen. Nennt es Geist der ewigen Wanderschaft, wenn ihr
Geister braucht wie in den arabischen Erzählungen; aber ist es nicht,
recht betrachtet, die Liebe selbst?” (Zitat Ende).
“
Nichts geht über die Liebe” - heißt es in I. Korinther
13: “Auch wenn alles einmal aufhört - Glaube, Hoffnung und Liebe
nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die
Liebe.”
Was aber, wenn Hans Jonas meint, nach Auschwitz könnten wir “mit
größerer Entschiedenheit als je zuvor behaupten, dass eine allmächtige
Gottheit entweder nicht allgültig oder [...] total unverständlich
wäre”?
Benjamins “Angelus Novus” also doch als der tragische “Engel
der Geschichte”?
Dann, ja dann wage ich in der Wahrheit von fides et ratio mit Ratzinger
zu antworten: “Auch wenn der Mensch sich von Gott loskettet und zur
Zerstörung schreitet, wird im Weltuntergang ER einen neuen Anfang
setzen. Wir aber, im Glauben an ihn, handeln dafür, dass der Mensch
sich nicht von ihm löst und dass insofern, soweit wir können,
die Welt als seine Schöpfung und der Mensch als sein Geschöpf
wieder neu leben können.” (Zitat Ende)
Der glückliche Sisyphus als glaubender, hoffender und liebender Mensch?
Der Angelus Novus als apotropäischer Bote versöhnter Transzendenz?
Eine Zukunftsvision, gewiss.
Doch keine schlechte, glaube ich.
Eine, die nicht ängstigt.
Eine, die Kraft gibt.
Ich danke Ihnen.

|
|
|